Unlängst war sie noch ein Privileg der Berühmten und Wohlhabenden, doch heutzutage wird sie auch immer mehr von Normalbürgern in Anspruch genommen. Sie wird genutzt, da die Menschen – unabhängig von Alter und Standeszugehörigkeit – immer mehr dem Schönheitsideal entsprechen wollen. Die Rede ist von plastischer Chirurgie, deren Anfang – wie man möglicherweise nicht vermuten würde – weit in die Vergangenheit zurückgeht.
Obwohl der Forschungsstand nicht vollkommen eindeutig ist, waren einigen Quellen zufolge plastische Eingriffe bereits im Altertum Gang und Gebe. Wie Mumienfunde belegen, nähten Chirurgen aus dem alten Ägypten (ca. 1350 v. Chr.) bereits Ohren wieder an.
In Indien wurden im 13. Jahrhundert v. Chr. erstmals Eingriffe vorgenommen, die zum Begriff der Rhinoplastik (Nasenoperationen) zählen. Kriegsgefangene und Verbrecher wurden als Strafe Nasenamputationen unterzogen. Durch eine Nasenzusatzoperation, die gegenwärtig noch immer den Namen „indischer Lappen“ trägt, erlangten sie jedoch durch eine neue Nase aus ihren Stirnlappen eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft.
Im Mittelalter entdeckte der Italiener Gaspare Tagliacozzi (1546-1599) erstmals eine weitere Möglichkeit für die Nasenwiederherstellung, indem er Lappen aus dem Oberarm transplantierte.
Im 19. Jahrhundert erlebte die Chirurgie durch naturwissenschaftliche und anatomische Fortschritte sowie infolge der Industriellen Revolution und des Ersten Weltkriegs quasi einen „Boom“. Die riesige Anzahl an Arbeits- und Kriegsverletzungen ließ die Zahl der plastischen Operationen drastisch in die Höhe schnellen. Und als 1961 das erste Silikonbrustimplantat gesetzt wurde, war der Durchbruch der plastischen Chirurgie endgültig besiegelt.
Neben dem Rekonstruktionsaspekt rückte allmählich die Ästhetik in den Vordergrund. Mittlerweile liegt die Aufgabe der plastischen Chirurgen nicht mehr nur darin, Unfallfolgen zu behandeln; sie sollen ihren Patienten, die sich reihenweise unters Messer legen, vielmehr zu der Schönheit verhelfen, nach der sie streben.